Hochgolling (2862m) via Nordwandkamine und Firnrinne (M6, 750m)

E I S ! – oder – Die flüssigen Tage sind vorbei!

Noch lange bevor die Sonne aufging machten wir uns wieder einmal auf den Weg in den Gollingwinkel. Was wir zu finden glaubten?  Unsere Erwartungen waren bescheiden. Und angesichts des warmen Fönsturms, der uns beim Zustieg ins Gesicht blies, schwanden unsere Hoffnungen auf Eis gänzlich.

Doch da drinnen ist und bleibt es einfach eine andere Welt. Kaum waren wir an der Gollinghütte vorbei und bogen in den Gollingwinkel, tauchten wir in den tiefsten Winter ein. Schlagartig wurde es eiskalt und vor uns stand sie, die Nordwand aus Eis und Schnee! Wir trauten unseren Augen kaum, aber es ist so. In der Nordwand des Hochgolling wächst und gedeiht das Eis. Sofort verfluchten wir unsere Entscheidung, die Eisschrauben daheim zu lassen. Lediglich 2 hatten wir im Gepäck, die wir eigentlich in dem Gedanken eingepackt hatten, sie wieder einmal ein bisschen durch die Gegend zu tragen.

Egal, wir umgingen wieder den Vorbau über die linke Seite. Über eine tief verschneite, recht heikle Querung kamen wir auf die erste Terasse. Wir querten ganz nach rechts und entschieden uns dort für die „Nordwandkamine“ in der Achsel von Nord- und Nordostwand, im Sommer eine Alpinkletterei im 4. Grad. Dann zog leider der Nebel herein und wir konnten nicht mehr genau sehen wo wir hinmaneuvrierten. Über eine leichte aber wunderschön zu kletternde Eisstufe hinauf, dann nach rechts in die Kamine.

Dort erwarteten uns 3 Steilstufen. Vor allem die unterste erwies sich als ziemlich widerspenstig weil eng, steil und aus schlechtem Eis. Aber Chri alias die Rauhe Sau vom Tausing stieg kaltschnäuzig drüber. Hier waren wir auch sehr froh, doch ein Seil und die 2 Eisschrauben mitgenommen zu haben! Danach folgten etwas flachere Teile (etwa 40m nach der Steilstufe haben wir rechts einen grünen Haken stecken lassen- super Standplatz!), darauf wieder 2 Steilstufen, die zwar auch noch fordernd, aber angenehmer als die erste Stufe waren. Bei mehr oder zumindest bei festerem Eis und weniger Schnee werden diese Stufen sicher leichter!

Weiter oben stiegen wir zuerst weiter durch die Firnrinne auf, wir querten aber bald auf den Kamm links daneben aus, weil dort weniger, aber dafür festerer Schnee lag. In der Rinne wateten wir teilweise hüfttief im Pulver. Nach einiger Zeit stiegen wir aus dem Nebel der Nordwand in die Sonne des Nordwestgrates aus. Ein wunderschöner Moment! Noch ein paar Meter weiter über den Grat und wir standen am Gipfel. Trotz des Sturmes dort oben war die Freude riesig!

Der Abstieg verlief tadellos, die meisten Markierungen war zu Sehen. Trotzdem hat es nicht geschadet, den Weg zu kennen. Für den Abstieg von der Gollingscharte wär ein Plastiksackerl, oder noch besser ein Zipflbob der Wahnsinn gewesen! Vielleicht ein Tipp für Wiederholer 😉

Auch zum reinen Eisklettern herrschen jetzt schon Top-Bedingungen wie man auf den Fotos sehen kann. Hoffentlich bleibt es jetzt einigermaßen kalt und trocken, dann werden die Bedingungen noch besser! Die unteren Eisfälle kann man sogar im Eiskletterführer Österreich Ost finden.

Eine Anstiegsskizze unserer Route:

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