Piz Bernina (4047m) via „Biancograt“

Sollte man einmal gesehen haben…

Nach den 3 Tagen in den Dolomiten waren wir recht knapp bei Kasse, aber wir hatten noch 2 freie Schönwettertage vor uns. Also was tun? Wir machten das finanziell denkbar schlechteste und fuhren direkt von den Dolomiten durch das Adamello und über den Berninapass in die Schweiz. In Pontresina angekommen gleich der erste Dämpfer- freche 10 Franken für 1 1/2 Tage parken. Ausweichparkplätze sucht man vergeblich.

Den elendig weiten Hüttenzustieg versüßt einen das wunderschone Rosegtal, durch das man vorbei am Hotel Roseg auf schönem Weg zur Tschiervahütte aufsteigt. Wir zogen uns dafür die leichten Zustiegsschuhe an und schnallten die Bergschuhe auf den Rucksack, so wurde das ganze halbwegs angenehm. Für schlanke 26 Franken bekamen wir schließlich einen Lagerplatz auf der Hütte, wo wir uns zum Schlafen in uralte Filzdecken im zum Glück leeren, aber kalten Lager einwickeln durften. Aber mei…wenn man auf so berühmt-beliebten Wegen unterwegs ist ist es eben so.

Am nächsten Tag gings um 4:30 los, aber nicht auf dem normalen Weg, da sich dieser vor einigen Wochen verabschiedet hat. Man steigt zuerst, den Reflektoren folgend, richtung Morteratsch auf und quert nach der 2. Kette nach rechts, wo ein neuer Steig errichtet wurde, der sich nach wenigen hundert Metern mit dem alten wieder vereint. Die Wegfindung ist dank der großzügigen Reflektoren im Dunkeln problemlos. Der Steig führt immer rechts des Gletschers unter den Felsaufbauten des Morteratsch.

Nach einiger Zeit betritt man den Gletscher. Es ist besser, etwas weiter links einzusteigen (durch einen verkehrten Wanderstecken markiert) und dann oberhalb durch eine gutmütige Spaltenzone nach rechts zu queren, von wo man zur Fuorcla Prievlusa aufsteigt. Es wurde im linken, felsigen Teil ein großzügiger Klettersteig errichtet. Wir aber nützten die kompakte Schneeauflage und stiegen über die Randkluft und den darüberliegenden Gletscher direkt bis in die Scharte auf. Hier folgten einige nette Kletterstellen, es stecken viele gute Haken. Man hält sich am besten immer nahe der Gratlinie, nur den letzten Felsteil umgeht man links unterhalb im Schnee. Der viele Schnee, der bei uns lag, war nicht besonders hinderlich, oft sogar ein wenig hilfreich.

Der Biancograt selbst war ein einem perfekten Zustand, besser kann er wohl kaum werden. Über die wunderschön geschwundene Linie geht es in nicht ganz einer Stunde auf den Gipfel des Piz Bianco. Einfach traumhaft, mehr kann man dazu nicht sagen!

Der Piz Bernina scheint nun schon zum greifen nahe, aber der Weg dorthin zieht sich noch gewaltig in die Länge. Mit den Steigeisen ist der felsige Grat ein Hund! Nicht zu schwer, aber es ist so ein umscheissen mit dem dauernden auf und ab. Und seilfrei wäre das ganze für meinen Geschmack ein bisschen zu luftig, da der Fels nicht immer fest ist, aber dafür links und recht gewaltig in die Tiefe pfeift. Für die wenigen letzten 100m zum Gipfel brauchten wir so noch über 1 Stunde.

Dafür erwartete uns ein super angenehmes Gipfelplatzerl. Es wehte kein Lüfterl und wir konnten kurzärmlig ein wenig die Zeit hier oben genießen. Die schöne Aussicht von den Zillertaler Alpen über das Berner Oberland bis ins Wallis entschädigt für einiges! Wir waren fast alleine, nur ein Filmteam wartete am Gipfel auf den Heli. Die anderen Biancoaspiranten waren noch weit zurück.

Wir hatten uns für den Abstieg zurück zur Tschiervahütte entschieden, da wir aus Zeit- und Kostengründen heute wieder ins Tal mussten. Es ist zwar nicht unbedingt lohnenswert, aber wenn man halbwegs trittsicher ist kein Problem.

Die Klettereien waren oft überraschend anspruchsvoll/unangenehm. Für Nichtkletterer auf jeden Fall nicht empfehlenswert. Wir hatten keine mobilen Sicherungsmittel mit und kamen damit sehr gut durch, es steckt wirklich einiges an Bolts in den Kletterpassagen.

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