Drei Tage – Drei Zinnen

Daheim ist der Schnee nun auch schon im Tal vorstellig geworden, drum gönnten wir uns ein Wochenende ein Stück weiter im Süden. Wir fuhren noch Donnerstag Abend via Lienz zum Parkplatz der Auronzohütte und wollten uns am Abend noch in der Lavaredohütte einquartieren. Aber nix da, um halb 9 war die Hütte zu, keiner da. Also wieder retour zum Auto, zum Glück hatten wir Schlafsäcke dabei. Schon während dieser Nacht wurden wir zweifelsfrei überzeugt dass es auch im Süden keineswegs wärmer war. Überall lag Schnee, es war saukalt.

Zum Glück war die Südseite der Zinnen großteils schneefrei, drum stiegen wir am ersten Tag zu viert in die „Gelbe Kante“ in der Kleinen Zinne Südwand ein. Eine schöne Tour, die man trotz der eher moderaten Schwierigkeiten (6 bis 6+, je nach Führerliteratur) nicht unterschätzen sollte. Vor allem am ersten Tag, wenn man sich erst wieder mit den Dolis anfreunden muss. Die Verhältnisse waren super, aber nicht einmal hier in der Südwand war es warm. Aufzupassen ist hier beim Abseilen. Die Abseilpiste startet weit nordwestlich des Ausstiegs, direkt unter dem Gipfelaubau der Kleinen Zinne. Nicht zu verwechseln mit der „Perlen vor die Säue“, deren Standbolts recht verführerisch herblinzeln.

Der zweite Tag brachte uns die „Cassin“ in der Südwand des Torre Preuß. Auch eine schöne Tour, einzig und allein die Schlüssellänge (7-) ist ein wenig ungut zu klettern, ansonsten wunderschön. Geht auch super zum Abseilen, es sind in die westliche Scharte hinunter gefühlte 100 Abseilstände zu finden- sehr gut! Aber aufpassen: wenn sich eine Seilschaft gerade abseilt ist es besser zu warten, bis diese ganz draußen sind, Steinschlag lässt sich hier fast nicht vermeiden!

Dem natürlichen Übermut folgend, und weil wir es uns nicht nehmen lassen wollten, stiegen wir am dritten Tag noch in die „Comici“ in der Nordwand der Großen Zinne ein. Wir schnappten uns die lange Unterhose und die Daune und erlebten als Lohn für die Kälte eine sensationell coole Tour, im unteren Teil anhaltend steil, aber immer schön zu klettern. Es stecken unzählige Haken drinnen und die Stände sind super. Bis zur Hälfte wäre es sogar möglich über die Tour wieder abzuseilen. Im oberen Teil hingen schon die Eiszapfen über uns, von denen einige von Zeit zu Zeit abbrachen und uns um die Ohren flogen. Eisschlag in den Drei Zinnen…hat man auch nicht alle Tage! Ein paar nasse Verschneidungen noch, sonst waren die Verhältnisse sehr gut!

Wir kletterten immer mit 60m Halbseilen, womit sich alles sehr gut machen ließ und man beim Abseilen gewaltig schneller ist. Die Hakenqualität war in keiner der Touren erschreckend übel, das ist vielleicht auch der Vorteil wenn man abgekletterte Klassiker macht. Die schlimmen Gerüchte, dass die klassischen Routen vor lauter Schmierig kaum mehr zu klettern seien, konnten wir nicht bestätigen, mir wäre es bei keiner der Touren extrem schlimm vorgekommen. Im Gegenteil erweist es sich recht oft als nützlich für die Routenfindung, wenn man einfach den abgeschmierten Griffen folgt. Keile, Bandschlingen für Sanduhren und kleine Cams sind zusätzlich als Absicherung sehr nützlich.

Es waren 3 super Tage an den Zinnen, aber so schnell werden wir sicher nicht mehr hinfahren. Zwar ist die Lavaredohütte ein wunderschöner Ort, die Wirtsleute sind sehr freundlich und hilfreich und die Preise halbwegs in Ordnung (52€ für Halbpension in sehr schönen Zimmern und mit wirklich gutem Essen), aber für 3 Tage insgesamt 35€ Maut sind mir einfach echt zu viel, da gibt es viele andere schöne Plätze, wo man nicht bis zum letzten Groschen ausgenommen wird. Aber man muss es einfach einmal gesehen haben…

Im Bergzeit-Magazin habe ich einen guten Artikel gefunden, der unter dem Titel „Steiles in den Dolomiten“ die Stimmung in den Zinnen ganz gut beschreibt und vor allem weitere Infos und Ideen gibt: http://www.bergzeit.de/magazin/klettern-dolomiten-kleine-zinne-piz-ciavazes/

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