Alpinklettern im Val di Mello

Italienischer Hardrock – Granit vom Allerfeinsten

Im August wars endlich so weit, im dritten Versuch schafften wir es ins Val di Mello. Nach 7 Stunden Fahrt via Landeck und den Berninapass (alles Mautfrei!) bogen wir endlich ins Val Masino und später in dessen letztes Seitental ein. Wir checkten beim „Camping Jack“ ein, mitten im Val di Mello. Schöner Campingplatz mit allem was man braucht, sehr zu empfehlen, weil man von hier aus alles zu Fuß machen kann.

Am ersten Tag war gegen Abend hin Regen angesagt, also nutzten wir noch das Wetter bis dahin und probierten zum Einklettern und Kennenlernen „Il lamone e le sue placche“, 260m 6a+ RS2+ am SPERONE MARK. Gleich in der ersten Seillänge wurden wir unsanft willkommen geheißen, Granit ist eben nicht Kalk! Oder wie die Mama sagt: „Wo aunders is hoid oiwe ois a wenk aunderst!“. Der Rest wurde immer leichter und schöner, das Tal hieß uns doch noch herzlich willkommen.

Am Abend regnete es schließlich lang und herftig, trotzdem waren am nächsten Morgen die meisten Touren schon wieder trocken. Wir kletterten eine schöne Kombination aus 2 übereinanderliegenden Wänden, zuerst „Albero delle Pere“, 210m 6a RS2/R3 am DIMORE DEGLI DEI, anschließend die „Luna Nascente“, 340m 6b R2 am SCOGLIO DELLE METAMORFOSI. Die erste Tour war gemütlich zum Aufwärmen, gut abzusichern, nur eine Plattenlänge war ungesichert zu gehen. Über ein Waldband gelangten wir nach kurzer Zeit zur oberen Wand. Die Luna ist DER Klassiker im Val di Mello, wir hatten vorher schon sehr viel davon gelesen und gehört und es war kein Lob zu gering. Die Tour ist wunderschön, folgt immer Risssystemen und Riesenschuppen und ist ein einziger Klettergenuss. Überraschenderweise waren wir sogar alleine in der Tour. Im Sommer bietet es sich an, die Luna am Nachmittag zu gehen, da liegt sie im Schatten. Diese Kombination können wir nur Empfehlen – die Albero als Plattenaufwärmer, die Luna als faszinierende Krönung.

Am Tag 3 wollten wir eine ähnliche Kombination wie am vortag machen, wir starteten mit der „Piedo di Piombo“, 210m 6c RS2 am ALTARE. Geplant wäre im Anschluss die weitbekannte „Oceano Irrationale“ gewesen, allerdings spuckte uns schon die erste Wand aus. Schon die erste Seillänge, eine gewaltig angsteinflößende möchtegern-5c zog uns einige Nerven. Die beiden relativ alpinen 6c-Längen bereiteten uns zwar weniger Mühen, dafür erledigte uns der folgenden, wirklich zähe Plattenschild mit angsteinflößende Passagen unter der drückenden Mittagshitze, sodass wir nach 5SL abseilten und uns einmal an den kleinen See chillten und einen Pausennachmittag genossen.

Tags darauf brachen wir früh auf und gingen ins Val die Zocca. Nach etwas über 4h Zustieg standen wir am Einstieg der „Gervasutti“- Kante, 600m 5c R2 an der PUNTA ALLIEVI (3121m). Diese brachte wunderschöne Kletterei in ausgesetztem, alpinem Ambiente. Man braucht nur die Fotos anzuschauen und erkennt, dass es eine Traumtour war. Schöne Kletterei und super abzusichern. Dazu ein rustikaler, aber recht direkter Abstieg zum Wandfuß machte das ganze zu einer super Unternehmung. Als wir das Kletterpotential dieses Val di Zocca sahen wussten wir, dass wir beim nächsten Mal mehr Zeit hier in diesem Seitental verbringen werden. Der Fels ist wunderschön wetterzerfressen, die Wände fantastisch hoch und steil und vor allem äußerst zahlreich. Ein Tip ist die Tour „Inschallah“, in die wir seitlich und von oben einsahen und die wirklich vielversprechend aussah!

An unserem letzten Tag im Mello probierten wir schließlich auch einmal ein paar Boulder aus, worauf hin wir aber schnell wieder eine größere Wand suchten und zum Abschluss noch die gemütliche „Tunnel Diagonale“, 120m 5b RS am SPERONE DEGLI GNOMI kletterten.

Dann brachen wir die Zelte ab, checkten uns noch ein paar hausgemachte Weinflaschen von der Campingplatz-Lady und fuhren über den Berninapass zurück bis zum Albulapass, wo wir noch ein Stückchen hinauffuhren und am Parkplatz schliefen. Quasi im Vorbeifahren nahmen wir noch den Piz Kesch mit. Ein gemütlicher Berg, der mit einer wunderschönen Aussicht auf die Berninagruppe, einem angenehmen Gletscheranstieg und einer lohnenswerten Höhe von 3418m aufwartete und uns einen schönen Abschluss für diesen Klettertrip bot. Als Draufgabe kamen wir sogar pünktlich zu Appis Kletterfest, wo wir die ganze Sache gebührend zu Ende brachten!

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