Piz Palü (3901m) via Ostpfeiler (IV)

Am Montag in der Früh fuhr ich mit Niko richtung St. Moritz in die Schweiz. Es war ausgezeichnetes Wetter angesagt, als wir aber bei der Talstation der Diavolezza ankamen, sah es alles andere als rosig aus. Auch diejenigen, die gerade vom Berg kamen waren nicht gerade begeistert von den Verhältnissen. Auch dass recht viel lockerer, am Nachmittag sulziger Schnee am Berg liegt hörten wir nicht sehr gerne. Egal, wir packten unsere Sachen und gingen zu Fuß los. Nach 2,5h kamen wir bei der Bergstation Diavolezza an. Da uns ein bisschen die finanziellen Mittel fehlen (69CHF für ein Bett im Lager, nur mit Halbpension zu haben), hatten wir alles zum Biwakieren dabei. Wir suchten und fanden ein gemütliches Plätzchen, wo es sich gut aushalten ließ. Das Wetter war nicht besser geworden, ab und zu hat es sogar ein wenig geschneit. Wir wussten also nicht, ob uns der Berg am nächsten Tag rauflassen würde.

In der Früh sah es nicht viel besser aus, allerdings verzogen sich die Wolken einmal kurz und wir sahen den Berg im ersten Morgenlicht wunderschön vor uns. Wir entschieden uns, es einmal bis zum Pfeilereinstieg zu probieren. Im Nachhinein eigentlich lächerich- wenn wir einmal aufbrechen ziehen wir es auch durch! Anfangs war der Schnee noch recht morsch, sobald wir auf dem Gletscher waren trug er sehr gut. Einigen Steigspuren folgten wir durch den ersten Gletscherbruch, dann querten wir nach rechts aus zum Pfeilereinstieg auf ca. 3250m, den wir nach rund 2,5h erreichten.

Die ersten Meter zur Pfeilerkante sind wirklich knackig, aber gut mit Haken und Bolts abgesichert. Wir nahmen die direkte Linie, man kann aber sicher auch leichter raufgelangen. Es lag noch einiges an Schnee am Grat, wir ließen also die Steigeisen an. In immer gutem Fels und abwechslungsreicher, schöner Kletterei kamen wir gut weiter. Der Himmel war noch immer bedeckt, der Schnee aber dafür recht kompakt. Es boten sich haufenweise Möglichkeiten, Friends, Keile und Köpflschlingen zu legen. Einige sehr originelle Kletterstellen später, auf rund 3700m legt sich der Grat ein wenig zurück und geht in eine Firnschneide, die wunderschöne „Himmelsleiter“ über. Durch dieses schönste Stück der Tour gaben wir uns die Sporen, da immer mehr die Sonne herauskam und uns der Schnee unter den Füßen wegzufaulen begann.


Die Himmelsleiter spuckte uns direkt am Ostgipfel aus und augeblicklich riss der Himmel komplett auf und wir standen überglücklich bei schönstem Wetter am Ostgipfel. Den kleinen Ausflug zu Hauptgipfel gönnten wir uns auch noch. Schließlich zogen die Wolken wieder herein und wir machten uns an den lagen Abstieg ins Tal, vom Gegenanstieg zur Diavolezza ließen wir uns nicht mehr ärgern.Der Ostpfeiler ist eine wunderschöne Felstour, die reinsten Genuss bietet. Die Kletterei ist durchgehend etwas anspruchsvoller als an z.B. der Stüdlgrat am Großglockner. Es sind in den schwierigeren Stellen einige Haken drinnen, sonst muss alles selbst abgesichert werden. Am besten ließen sich Klemmkeile in allen Größen und kleine Friends anbringen. Einen 2er Cam oder größeres kann man nur sehr selten gebrauchen, würde ich eher daheim lassen. Wir schauten auch immer wieder zum Bumillerpfeiler hinüber, der im Moment in recht gutem Zustand ist. Der Hängegletscher ist zugeweht und eher flach, kann also gerade sehr leicht umgangen werden. Nur ein bisschen viel Schnee liegt noch am Fels. In 2-3 Wochen bei schönem Wetter wären sicher gute Bedingungen. Für den Normalweg sind auf jeden Fall noch Schi zu empfehlen, es liegt schon noch eine Menge Schnee.

Wie für die meisten Hochtouren verwendeten wir auch hier den Führer „Hochtouren Ostalpen“ von Edwin Schmitt und Wolfgang Pusch, der wie immer exzellente Informationen lieferte. Als Tourenführer und Ideenbringer sehr zu Empfehlen!

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