Hochfernerspitze (3470m) Nordwand

Am Wochenende fuhren Chri und ich ins südtirolerische Pfitschertal, um uns am Hochferner zu versuchen. Nachdem am vorigen Wochenende am Großglockner nur mehr wenig Schnee lag hofften wir, dass auch ein Stückchen weiter unten nicht mehr allzuviel liegen würde. Aus Zeitgründen mussten wir alles an 1 Tag machen, was uns durchaus gut machbar erschien.

Vorweg: Es liegt noch genug Schnee, die Straße aufs Pfitschejoch ist ab der Ortschaft Stein noch nicht befahrbar. Aus 1 Stunde Zustieg zum Biwak wurden also 2,5h. Dazu kam, dass starker Wind die Spur der Vorgänger wieder zugeweht hatte. Es musste auch in den letzten Tag ein wenig geschneit haben. Beim Biwak frühstückten wir erst einmal. Die Nordwand schaute gut aus, von der Biwakschachtel ist er sehr gut einsehbar. Der Gletscher war großteils schneefrei, nur an den Seiten schien der Wind doch einiges an Schnee eingeweht zu haben. Das ließ uns die Lawinenlage nicht ganz so sicher erscheinen, weshalb wir uns entschieden, im unteren Teil den blanken Gletscher zu nehmen.

Als wir schließlich vom Biwak aufbrachen war es schon halb 11. Die Meter, bis wir zum Gletscher kamen waren sehr anstrengend, wir mussten in ziemlich tiefem und lockerem Schnee spuren. Am Gletscher angekommen querten wir auf das Eis, wo wir endlich gut vorankamen und schnell auf den flacheren Mittelteil gelangten. Wir waren gut daran gewesen, nicht links in der Rinne zu gehen, weil immer wieder kleinere Spindrifts die Rinne runterkamen. Mittlerweile war der Wind immer stäker geworden, er wirbelte sehr viel Schnee herum und machte vor allem die Kommunikation recht schwierig.

Über teils offene Spalten ging es über den flachen Mittelteil, dann verließen wir den Gletscher und gingen links ein paar vielversprechenden Rinnen, die das hielten, wonach sie von unten ausgeschaut hatten. Super kompakter Firn, über den es ein richtiger Genuss war sich nach oben zu hacken. Lediglich ein paar Spindrifts streiften uns auf dieser Seite, was aber kein Problem war. Gottseidank war nie Eis oder Fels dabei.

Das Gelände wurde nun ein wenig flacher und wir kamen schließlich auf den Gipfelgrat, wo wir uns in sehr tiefem Schnee nach oben arbeiteten. Um ca. 15:30 waren wir am Gipfel, wo wir allerdings nach wenigen Sekunden wieder weiter gingen weil es uns fast runtergeweht hätte. Wir gingen den Grat richtung Hochfeiler, stiegen Rechts ab und fuhren dann mit den Schiern über den Gletscher ab. Leider ließen wir uns dazu verleiten, das komplette Tal mit den Schier abzufahren. Ganz unten bei einer Engstelle angekommen stellten wir dann fest, dass für diesen Weg schon zu wenig Schnee liegt, weshalb wir durch recht wildes Gelände rechts zum Weg hinaufqueren mussten und den Weg ca. 2 Stunden zu Fuß fortsetzen mussten. Erst den letzten Teil der Strecke konnten wir wieder mit den Schiern abfahren.

Rückblickend war es schon zu spät im Winter um mit den Schiern aufzusteigen und abzufahren, es war aber auch noch zu früh, um zu Fuß zu gehen. Das Eis am Gletscher ist recht spröde und ein bisschen ungut zu klettern, der eingewehte Neuschnee machte es teilweise noch anstrengender. Am besten wäre es, auf die nächste ordentliche Warmfront zu warten und dann ohne Schi zu gehen. Nicht zu unterschätzen ist der Abstieg, der noch ziemlich lange und kraftrauben ist. Alles in einem Tag zu machen war zwar sehr ausdauern und schwierig, aber wenn es nicht anders geht eine machbare Alternative. Es wird noch ein paar Wochen dauern, bis die Straße aufs Pfitscherjoch befahrbar sein wird. Noch blockiert ein Felsbrocken die Straße und es liegt auch teilweise recht viel Schnee.

Trotzdem ist der Hochferner eine schöne Unternehmung, mit einer mittleren Steilheit von geschätzten 45-50° technisch nicht sehr schwierig aber bei fast 1000Hm doch recht kraftraubend. Ohne Wind und bei besseren Schneeverhältnissen absolut zu empfehlen!

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s