Großglockner Nordwestgrat (IV)

Wir wollten wieder mal das schöne Wetter ausnutzen und übers Wochenende bergsteigerisch etwas machen. Da gerade so eine Übergangszeit ist – für Nordwände vielleicht noch zu viel Schnee, Schitouren gehen freuts uns nicht mehr so recht – überlegten wir ziemlich lange was wir machen sollten. Auch aufgrund der unsicheren Lawinenlage und weil ich es schon vom Herbst kannte entschieden wir uns schließlich für den Großglockner über irgendeinen Gratanstieg. Welchen wir dann nehmen würde, wollten wir dann vor Ort anhand der Schneelage entscheiden.

Wir fuhren also nach Osttirol, hinauf zum Lucknerhaus. Schon hier fiel uns auf, dass es im Vergleich zu unserem Ennstal fast keinen Schnee da unten hat. So sah der Glockner von herunten schon recht schneearm aus, es war also klar dass wir den schwierigeren Nordwestgrat angehen würden. Über festen Harsch ging es im letzten Tageslicht mit den Schi zur Stüdlhütte (ca. 2,5h). Der Winterraum war offen, anfangs waren wir noch alleine dort, doch nach und nach kamen schließlich noch andere Partien. Bis um halb 2 schließlich die letzten eintrudelten. Mit Schlaf war also nicht so viel. Aber der Winterraum, eigentlich eine eigene kleine Hütte, ist wirklich schön, bietet Platz für ca. 20 Leute, hat Heiz- und Kochgelegenheit, Matratzen und war wirklich sauber. Für eine Übernachtung werden 7€ für AV-Mitglieder verlangt.

Um 5:30 gingen wir schließlich los. Richtung Norden über einen Rücken auf das Teischnitzkees, vorbei am Einstieg des Stüdlgrates zu einer großen Schneerinne, die uns auf den Grat führte. Gletscherspalten waren alle zu, am rechten Rand schien auch recht viel Schnee eingeweht zu sein. Vor der Rinne schnallten wir die Steigeisen an und packten die Schi auf den Rucksack. So ging es die Schneerinne hinauf, sehr cool zum Gehen, nicht zu steil und der Schnee war auch fest. Oben auf der Gratscharte genossen wir einmal die ersten Sonnenstrahlen und frühstückten ein wenig. Von hier aus konnten wir wirklich beeindruckende Tiefblicke in die Nordwände des Großglockners genießen. Bis hier ca. 3h.

Nun ging es meistens links oder rechts des Grates weiter, es ist nicht immer klar wohin man nun soll, am besten an den Steigeisen-Kratzspuren orientieren. Der Fels ist hier wirklich schön zu klettern, meist fest und rauh, super Griffe. Es lag nicht sehr viel Schnee am Grat, vereist war auch nur wenig. Vor dem Teufelshorn ein kurzer Abseiler, dann rauf auf den Zinken in unangenehmer Kletterei und schlechtem Fels. Durch die komische Kletterei und den brüchigen Fels mussten wir fast alles in Wechselführung gehen, was uns sehr viel Zeit kostete. Diese Länge hat sich absolut nicht gelohnt, mit den Schiern am Rücken und mit Schischuhen und Steigeisen echt beschissen zu klettern. Hinten runter geht es per Abseilen. Wir kamen mit unserem 35m Seil seeehr knapp von Haken zu Haken runter, abklettern wäre nicht möglich gewesen. Also besser nicht so ein kurzes Seil mitnehmen. Das Glocknerhorn sparten wir uns nun aus Zeit- und Lustgründen. Diese ersten Gratmeter, die unserer Meinung nach wirklich nicht lohnenswert sind, kann man auch umgehen, indem man in der Schneerinne im Zustieg rechts ausquert in eine zweite Rinne, die schräg durch die Wand direkt zur Grögerscharte führt.

Es war nun schon 13:30 und wir mussten ein bisschen aufs Gas steigen. Den letzten Anstieg zum Gipfel gingen wir nun alles am laufenden Seil. Hier wurde die Kletterei wieder wirklich lohnenswert, machte wieder richtig Spaß. Ein echtes Highlight ist die Draschplatte, ein kurzer Steilaufschwung auf der rechten Gratseite, durch die ein genialer Riss führt (III+), wirklich cool zu Klettern! Ansonsten immer den Kratzspuren recht unschwierig die letzten Meter den Grat entlange auf den Gipfel auf 3798m. Aufstiegszeit: 9h50min ohne Stress und mit viel Herumscheisserei im ersten Teil des Grates.

Nach einer ausgedehnten Pause am sonnigen, windstillen Gipfel, wo wir komplett alleine waren, gingen wir ca. 1h Stunde den Normalweg hinunter. Vor der Adlersruhe kletterten wir ein kurzes Stück in die Scharte ab. Dort schnallten wir die Schi wieder an und genossen eine traumhafte Abfahrt in den letzten Sonnenstrahlen hinunter zu Parkplatz Lucknerhaus.

Die Schwierigkeiten am Nordwestgrat sind gefühlt ein wenig höher als am Stüdlgrat. Man findet allerdings nur ca. alle 30m Bohrhaken, was mehr nach meinem Geschmack ist. Die Abseilstände sind alle doppelt gebohrt, also absolut top. Es finden sich aber haufenweise Möglichkeiten, selbst Sicherungen anzubringen. Wir hatten ein paar Friends und Keile mit und konnten sie gut verwenden. In der Hauptsaison ist der Nordwestgrat sicher eine gute Alternative zum Stüdlgrat, weil hier wahrscheinlich weniger los ist, die Kletterei aber nicht weniger anspruchsvoll und schön ist.

Werbeanzeigen

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s