Schleierfall 230m / WI5 im Echerntal, Hallstatt

Man soll die Feste feiern wie sie fallen.

Diesen Spruch finde ich in den meisten Fällen ganz passend, bloß heute hoffte ich, dass seine Wortwörtlichkeit nicht zu treffen würde. Das „Fest“ bestand aus dem Schleierfall und uns 3en, Chri, Gernot und mir. Feiern wollten wir eine coole Tour. Nur fallen sollte die ganze Geschichte bestmöglich nicht. Im Eiskletterführer steht geschrieben, dass man den Fall während oder am Beginn von Wärmeperioden meiden sollte, da der Fall sonst komplett kollabieren könnte. Und seit gestern ist genau so eine im Anmarsch. Aber uns wurde von vielen Seiten versichert, dass die meisten Fälle heuer ungewöhnlich massiv aufgebaut haben. Die 2 warmen Tage sollten also kein Problem sein.

Wir entschieden uns also, dass wir einmal hinfahren und uns den Fall anschauen könnten. Da der Koppenpass wegen Lawinengefahr gesperrt war, fuhren wir über Bad Goisern nach Hallstatt, wo wir gleich nach dem Tunnel rechts ins Echerntal abbogen. Dort kann man bis ganz hineinfahren und direkt unter dem Schleierfall bei einem Bauernhof parken.

Schon beim ersten Anblick waren wir uns sicher, dass heute gute Verhältnisse herrschen würden. Der Fall war sehr massiv aufgebaut, auch der als heikel beschriebene mittlere Teil schaute super aus von herunten. Gernot führte die erste Länge, ich die zweite, beide so um WI3-4. Das Eis war recht röhrig, also super zum Klettern aber schlecht abzusichern. Nach der zweiten Länge fand ich auf dem Bankerl vor dem steilsten Stück in der Mitte des Falles links 2 Bohrhaken und 2 Normalhaken im Fels- ein super Standplatz unter einem kleinen Überhang! Chri schnappte sich die WI5- Länge, die sich schon recht hohl anhörte aber noch recht gut hielt. Auch nach dieser Länge gibt es wieder einen gebohrten Standplatz links vom Eis auf einem kleinem Vorsprung. Als Gernot die letze Länge kletterte (auch ca. WI4) erwischte uns eine kleine Lawine, nicht sehr heftig, hätte aber schlimm ausgehen können wenn Gernot nicht sicher gestanden wäre. Jetzt kam auch noch die Sonne raus, neben uns gingen im Minutentakt Schneebretter ab. Auch nach dieser Länge wartete wieder ein super Standplatz auf einem schönen Plateau wo wir ein wenig die Sonne genießen konnten. Von diesem Standplatz hätten wir abseilen können, wir gingen aber noch die paar Meter in leichtem Eis weiter, ein wenig weiter durch den Wald bis wir auf eine Forststraße kamen, der wir, vorbei an einem wunderschönen Panorama, bis zum Parkplatz folgten.

Es war eine wirklich schöne Tour, eine so lange Tour im Eis hatte vorher noch keiner von uns gemacht. Der Eisfall saftelte wirklich schon sehr stark, es waren auch schon teilweise recht große Löcher im Eis wo man sehen konnte, dass er doch schon ziemlich stark unterspült war. Im Führer ist diese Tour als lawinensicher beschrieben, was uns da gestreift hat war aber mehr ein kleines Schneebrett, das kann überall passieren. Am nächsten Tag wären wir auf jeden Fall nicht mehr eingestiegen.

Zu dritt haben wir ca. 4 Stunden für das Klettern gebraucht, der Abstieg hat ca. 1 Stunde gedauert. Einfach war es sicher nicht, aber die Höhe, die anhaltende Steileit und die wirklich schöne Landschaft machen den Schleierfall zu einer besonderen Unternehmung.

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