„Gfriatruchntango“ (WI5) – Erstbegehung im Gollingwinkel?

Die Suche nach kletterbarem Eis trieb uns wieder einmal in den Gollingwinkel. Wir wollten etwas neues erleben und fanden dies in einer traumhaften Tour zu – vielleicht – noch unberührtem Eis.

Chri, Gernot und ich schnappten unsere Schitourenausrüstung samt Eiskletterzeug und marschierten richtung Gollingwinkel. Die angespannte Lawinensituation ließ uns recht vorsichtig agieren. Einiges an Neuschnee sowie Sturmwarnung am Vortag waren alles andere als gute Vorzeichen, die LVS-Ausrüstung war natürlich mit dabei. Bis zur Gollinghütte war es diesmal schon ziemlich hart, das Spuren im teils doch recht tiefen Neuschnee sowie der brutal gefüllte Rucksack laugten uns schon ziemlich aus. Danach wurde es besser, der Wind hatte den ganzen Neuschnee verblasen.

Vom ebenen Boden im Gollingwinkel zweigten wir nach links ab, eine recht steile Rinne hinauf. Ziel war der Eisfall am oberen Ende der Rinne, der von unten richtig richtig schön ausschaute. Mit angespannten Nerven kreuzten wir durch den tiefen Schnee hinauf, die Schneedecke war aber wunderbar entspannt, lawinentechnisch also alles safe.

Nach ca. 4 Stunden erreichten wir schlussendlich den Fuß des Eisfalls. Hatten wir ihn von unten noch auf 90m geschätzt, so sah er nun deutlich kleiner aus, mit Gernots 70m-Halbseilen auf jeden Fall in einer Länge machbar. Aber das war nicht das Außergewöhnliche hier heroben. Es waren eine wunderschöne Aussicht und die Erhabenheit der gesamten Landschaft in diesem Tal, sogar ein paar Sonnenstrahlen bekamen wir ab. Unglaubliche Einblicke in die tief winterliche Hochgolling-Nordwand und verschneite Berge um uns herum ließen uns wirlich staunen.

Chri gab sich die Ehre und stieg als erster ein. Was von herunten noch nach reinstem Genuss aussah, entpuppte sich als schlechtes Eis, des auch aufgrund der schon etwas angeschlagenen körperlichen Verfassung für Chri als sonst fantastischem Eiskletterer gar nicht mehr so easy-cheesy war. Die Kälte leistete auch ihren Beitrag, sogar während des Kletterns war es saukalt. Das Gastspiel der Sonne währte nur kurz, bis sie wieder hinter den Bergen verschwand. Ich war als nächster dran, konnte mich im Nachstieg entspannt raufhämmern. Gernot, der den Eisfall bei einer früheren Tour eintdeckte, suchte sich schließlich auch noch eine Linie hinauf.

Doch die Tage sind nun kurz, mehr war also nicht drin, wir mussten wieder runter bevor es finster wurde. Durch wunderbaren Tiefschnee fetzten wir die Rinne wieder hinunter, leider an manchen Stellen noch mit zu wenig Schnee, Feindkontakt blieb nicht aus. Mit dem letzten Licht gelangten wir wieder zum Parkplatz, wo endlich alle Anspannung und Anstrengung nachließen. Ich denke über das darauffolgende Bier brauche ich an dieser Stelle nichts zu sagen…

Zusammen mit wunderschönem Wetter ergab all das einen super Tag. Es wäre wirklich interessant, ob dieser Eisfall schon eine Begehung hat. Aufgrund des großen Angebots am Talboden und des anstrengenden Zustiegs bezweifeln wir dies aber. Manch einer würde vielleicht sagen, dass das alles viel zu aufwändig für eine Seillänge in schlechtem Eis war. Aber für uns war es das ganz klar wert. Die Schitour alleine wäre schon eine schöne Unternehmung für sich gewesen, wir haben sie eben noch mit ein wenig Eis gekrönt. Die Freude am Eisklettern wurde dadurch umso größer.

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